In Minor Keys – meine Eindrücke von der Biennale Venedig 2026
Ich liebe es, mich von Kunst überraschen zu lassen. Zu schauen: Was zieht mich an? Was berührt mich, irritiert mich vielleicht – oder lässt mich einfach nicht mehr los?
Für diese Art des Entdeckens ist die Biennale in Venedig ein wunderbarer Ort. Und das diesjährige Thema hat mich besonders angesprochen: Die 61. Internationale Kunstausstellung steht unter dem Titel „In Minor Keys“ – auf Deutsch „Moll-Tonarten“.
Das Konzept geht auf die verstorbene Kuratorin Koyo Kouoh zurück und setzt bewusst auf leise Töne, Reflexion und Ruhe – als Kontrapunkt zu einer Welt, die von politischen Konflikten, Krisen und lauten Schlagzeilen geprägt ist.
Wie in der Musik bekommen dabei ganz unterschiedliche Nuancen und emotionale Tiefen Raum: Melancholie ebenso wie Trost und Hoffnung. Im Mittelpunkt stehen Stimmen, Gefühle und Erfahrungen, die im dominanten Weltgeschehen leicht überhört werden.
Die Hauptausstellung in den Giardini und im Arsenale versammelt Werke von 111 internationalen Künstlerinnen und Künstlern, Duos und Kollektiven. Auffallend präsent sind Malerei, Handwerk und Farbe – und damit Ausdrucksformen, zu denen ich natürlich auch aus meiner Arbeit mit Räumen, Materialien und Gestaltung einen ganz eigenen Zugang habe.
Ich bin ohne feste Route durch die Biennale gegangen und habe mich von meiner Neugier leiten lassen. Was davon bei mir hängen geblieben ist? Eine sehr persönliche Auswahl an Werken, Farben, Formen und Momenten, die mich fasziniert haben.
Demi Padua, Philippinen
Der Künstler stellt seine Werke im Rahmen der Gruppenausstellung „Personal Structures – Confluences“ im Palazzo Mora aus.
Ebony G. Patterson, Jamaika
Als zweiseitige Skulptur konzipiert, dominieren vorne die roten Handschuhe, während die Rückseite reich mit Quasten, Perlen und Jacquard-Geweben verziert ist. Patterson nutzt diesen Widersspruch bewusst: Sie spiegelt die vordergründige, koloniale Elitenkultur wieder und tarnt ihre Brutalität.
(Zentralpavillon Giardini)
Seyni Awa Camara, Senegal
Central Pavilion, Giardini
Sumakshi Singh, Indien
„Geographies of Distance: Remembering Home“ im indischen Pavillon (Arsenale). Sumakshi Singh rekonstruiert ein abgerissenes Familienhaus aus Fäden und macht das Zuhause so zu einem filigranen Gebilde. Die Ausstellung thematisiert das rapide Wachstum und die Transformation der Großstädte in Indien.
Klara Kristalova, Schweden
Ihre Skulpturen überraschen durch die Verwendung von ungewöhnlichen Materialien – wie hier beim Baumstamm aus verschiedenen Lagen Stoff.
Nordisches Pavillon, Giardini
Klara Kristalova, Schweden
Nordisches Pavillon, Giardini
Angus Nivison, Australien
Bild: „Promise“ im Palazzo Mora
Unterwegs mit dem Boot zu den Ausstellungen
Martha Russo, USA
Keramikskulptur „nomos (cube Venezia)“, Palazzo Mora
Chiara Camoni, Italien
Camonis Installation „Con te con tutto“ (Mit dir, mit allem) basiert auf den Themen kollektive Kreativität, Koexistenz und der tiefe Dialog mit der Natur.
Oriol Vilanova, Spanien
Oriol Vilanova stellt im spanischen Pavillon sein riesiges „Anti-Museum“ aus Tausenden gesammelten Postkarten aus. Los Restos heißt sein Werk – Übrigbleibsel und Erinnerungen aus vergangenen Tagen, bestehend aus 50.000 Postkarten, die er seit 20 Jahren auf Flohmärkten und in Gebrauchtläden sammelt.
Oriol Vilanova, Spanien
Ranjani Shettar, Indien
„Under the same sky“, Indisches Pavillon
Holy See Pavilion – Giardino Mistico
Der Klostergarten ist ein wunderschöner Rückzugsort nahe des Bahnhofs. Hier begegnet man Hildegard von Bingen. Aufmerksames Zuhören ist das Motto: über Kopfhörer lauscht man neuen Klangwerken von 20 zeitgenössischen Komponisten, Musikern, Dichtern und Künstlern sowie Benediktinerinnen der Abtei St. Hildegard Eibingen.














